Das Hauen und Stechen um eine angemessene Spielstätte für den FC Eintracht Bamberg könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Nichts geringeres als ein kompletter Stadionneubau steht in Aussicht. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, soll eine private Investorengruppe aus Thüringen bereits Planungen getroffen haben, um dieses Großprojekt im Bamberger Raum zu realisieren. Es gebe "nur noch Unstimmigkeiten über die Standortwahl".
Möglicher Standort der neuen Arena: Im Gewerbegebiet unweit der Autobahn A 70 (Variante 2).
Völlig neue Entwicklung in der Stadionfrage
Stadtverwaltung, Verein und Denkmalschutzbehörde zeigten sich von dem unverhofften Millionenprojekt "völlig überrascht". Zuletzt hatte es ja wochenlang Querelen um den Umbau des alten Stadions gegeben, vor allem die Denkmalschutzbehörde hatte Einwände gegen die weitere Umgestaltung der historischen Anlage im Volkspark. Als aber der private Investor mit seinen Plänen an die Verantwortlichen herangetreten sei, habe man die einmalige Chance ergriffen. Alle Beteiligten hätten daraufhin "an einem Strang gezogen". Auf Wunsch des Unternehmers, der bereits mehrere Stadionprojekte in anderen Mittelstädten erfolgreich realisiert haben soll und ungenannt bleiben möchte, wurden die Vorgespräche unter strenger Diskretion geführt.
Vorbild Mehrzweckhalle "Arena"
Als Vorbild für das geplante Stadion dient dabei der Bau der Mehrzweckhalle ("Arena") an der Forchheimer Straße. Finanziert wird der Bau von einem privaten Investor, der die Spielstätte dann an Nutzer vermietet – an Sportvereine oder an Veranstalter von Konzerten. Dieses Geschäftsmodell soll auch für das neue Bamberger Stadion zum Erfolgsmodell werden. Profitieren könnte davon vor allem der FC Eintracht Bamberg, denn wenn der angestrebte Aufstieg in die Regionalliga gelingt, dann müssen die Kicker nicht nach Weismain ausweichen. Bis es allerdings so weit ist, müssen sich die Fußballfans noch etwas gedulden; Baubeginn soll zwar noch in diesem Sommer sein, die Fertigstellung aber dürfte nicht vor Frühling 2010 erfolgen.
Fassungsvermögen von 10.000 Zuschauern
Zwischenzeitlich wurden auch weitere Details über das neue Schmuckkästchen bekannt: Das Stadion soll überdachte Tribünen und ein Fassungsvermögen von 9.900 Zuschauern haben. Umgeben wird das neue Sportzentrum mit einem gewerblichen Mix aus Einzelhandel, Dienstleistungsbetrieben und Gastronomie. Selbst ein kleines Hotel mit Tagungsräumen ist in den Planungen vorgesehen. Mit Flutlicht und modernsten Medienräumen ausgestattet wird das neue Projekt alle Anforderungen des DFB für die Regionalliga erfüllen – ein Punkt, der gegenwärtig vielen Spitzenteams in Bayernliga erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Für die Fußballvereine in Bamberg also ein wahrer Glücksfall?
Variante 1: Würde sich gut in die Umgebung einfügen: Der Stadionentwurf im Bergebiet unweit des Münchener Rings (rechts oben) anpfiff.info
Standortfrage ungeklärt
Uneins ist man sich hingegen noch über den Standort des neuen Stadions. Im Gespräch sind nach derzeitigem Kenntnisstand drei Varianten:
Variante 1: Die Freifläche westlich der B 22 im Bereich von "Zimmers Obstgarten". Dafür spricht die gute Verkehrsanbindung über den Münchener Ring, dagegen jedoch mögliche naturschutzrechtliche Bedenken.
Variante 2: Eher geeignet wäre ein Grundstück südlich der Autobahn A 70, nahe dem Bosch-Gelände. Auch dieser Standort besticht durch die hervorragende Verkehrsanbindung, soll aber eigentlich für die weitere gewerbliche Ausdehnung frei gehalten werden.
Variante 3: Wie die Investoren verlautbaren ließen, plädieren sie für Variante 3 - eine Freifläche im Gewerbegebiet von Hirschaid. Nördlich eines großen Möbelhauses würde das neue Stadion vor allem über eine optimale Verkehrsanbindung verfügen. Im Hirschaider Rathaus konnte anpfiff niemanden für eine Stellungnahme gewinnen.
Morgen Pressekonferenz
Die Fußballfans aus der Region Bamberg dürfen also gespannt sein, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Für Morgen, 14:00 Uhr, haben die Investoren eine offizielle Pressekonferenz angekündigt, in der neue Details bekannt gemacht werden sollen. Auch nach einem passenden Namen soll dann gesucht werden. anpfiff fragt deshalb schon heute seine Leser: Haben Sie einen Vorschlag, wie die neue Fußballarena heißen soll? Dann mailen Sie diesen an info@anpfiff.info, die besten Vorschläge werden auf anpfiff.info veröffentlicht.
Außerdem: Das Stadion sollte bitte auch für die 3. Liga tauglich sein. Denn wenn man was komplett neues baut, sollte es wenigstens zukunftssicher sein (auch wenn wir möglicherweise nie in die 3.Liga vorstoßen)!
Der Platz und das ganze Stadion sin im Vergleich zur Umgebung auch recht klein geraten... Der Baugrund bei Variante 2 is mittlerweile bebaut, glaub ich.
Denke ist ein Aprilscherz. warum 9900 Zuschauer? Sollte wie angekündigt langfristig Profiliga geplant sein scheitert der Aufstieg dann an 100 Zuschauern.
Auch wenn die Wellen mitunter hochschlugen, die Gemüter konnten sich schnell wieder beruhigen. Der Stadionneubau ist eine anpfiff-Erfindung. Leider keine Arena für Bamberg
Sorry, dass wir viele Fußballanhänger enttäuschen müssen, aber die Geschichte mit der Arena war ebenso ein klassischer Aprilscherz. Die Investorengruppe aus Thüringen gibt es nicht und auch die Standorte für das Stadion waren frei erfunden. Einem besonders aufmerksamen Leser fiel sogar auf, dass die Freifläche aus der Fotomontage nahe dem Bosch-Gelände schon längst überbaut ist – richtig: das Bild stammt von 2000 und damit aus dem Jahr, als die Firma Bosch ihr Werk am Börstig erweiterte.
Fässla-Arena oder Franken-Kolosseum?
Alles in allem waren die Zuschriften der Leser positiv - ein neues Stadion für Bamberg? Dafür wären Fans in und um Bamberg schon zu begeistern. Und auch bei den Namen haben sich die anpfiff-Leser einiges einfallen lassen: Am häufigsten fielen die Namen "Aprilscherz-Arena" oder "Stadion des 1. April". Aber es waren noch weitere Kreationen im Angebot, hier eine kurze Auswahl:
* Domstadt-Arena * Bamberger Burg * Eintracht Stadium * Franken-Kolosseum * Dechant-Dome * Fässla-Arena * Stefan Kießling-Stadion * Dieter Zettelmaier-Stadion * Graf Stauffenberg-Stadion * Arena der Bamberger Bierbraukunst
Also, an kreativen Ideen für die Namensgebung mangelt es nicht- vielleicht gelingt jetzt auch die Suche nach einem Investor. Egal, ob es sich um einen Thüringer Investor handelt oder um einen Öl-Milliardär aus Russland …
Weismains Jahrhundertspiel 15.000 wollten den Club sehen von Robert Schäfer
Wir schreiben den 12. April 1997. In Weismain, dem beschaulichen Jurastädtchen mit seinen 4.700 Einwohnern, herrscht Volksfeststimmung. Mehr als 15.000 Menschen haben sich aufgemacht, um das Spiel des heimischen SC gegen den 1. FC Nürnberg zu erleben. Doch nicht zu einem gemütlichen Freundschaftskick ist der Club in die Provinz gereist – in der Saison 1996/97 begegnen sich der Kleinstadtklub und der ehemalige Rekordmeister (fast) auf Augenhöhe in der Regionalliga Süd. Für Weismain das Spiel des Jahrhunderts!
Es herrscht eine seltsame Aufbruchstimmung im deutschen Vereinsfußball Mitte der neunziger Jahre. Seit der DFB 1994 die Regionalliga als neue dritte Spielklasse eingeführt hat, tummeln sich in den insgesamt vier Staffeln der offiziell höchsten Amateurliga sowohl zahlreiche Traditionsvereine als auch eine Reihe völlig neuer Gesichter, die zuvor im deutschen Fußball kaum eine Rolle gespielt hatten. Da treffen etwa in der Regionalliga Süd gestandene Profivereine, wie beispielsweise die Offenbacher Kickers, Darmstadt 98 oder Hessen Kassel, auf absolute „No-Names“, wie etwa den SC Neukirchen/Knüll, die TSF Ditzingen oder eben den SC Weismain.
Weismain im Aufwind, Nürnberg am Tiefpunkt
Den Jurastädtern gelang in der Saison 1995/96 sensationell der Durchmarsch von der Landesliga in die Regionalliga. In nur einem Jahr hat der zuvor nie sonderlich in Erscheinung getretene Verein die Bayernliga durchlaufen und den Aufstieg in die dritte Liga geschafft. Dort erwartet den Neuling gleich in seiner ersten Saison ein echter Leckerbissen. Denn während sich der SCW, finanziell großzügig unterstützt von seinem Präsidenten Alois Dechant, in kurzer Zeit nach oben gearbeitet hat, erlebt zur gleichen Zeit der ruhmreiche 1. FC Nürnberg den absoluten Tiefpunkt seiner Geschichte. Soeben erst ist der Club aus der 2. Bundesliga abgestiegen und findet sich nun unversehens in der Regionalliga wieder. Noch zu Beginn der neunziger Jahre schien sich Nürnberg dauerhaft in der Bundesliga etablieren zu können, jetzt, keine fünf Jahre später, darf man sich nicht mehr auf Derbys mit Bayern München, sondern mit der SG Quelle Fürth „freuen“.
Heimspiel in der Fremde
Des einen Leid, des anderen Freud. Denn während der Club – getreu dem Motto „Augen zu und durch“ – den sofortigen Wiederaufstieg ins Auge fasst und zu diesem Zweck die Tingeltour durch die Fußballprovinz auf sich nehmen muss, reiben sich die Kassiere der übrigen Regionalligisten die Hände. Wenn der Club kommt, bedeutet das so gut wie immer volles Haus. Das gilt natürlich besonders beim innerfränkischen Duell in Weismain, wo Mäzen Dechant nach dem Aufstieg das vereinseigene Waldstadion eigens auf ein Fassungsvermögen von rund 15.000 Zuschauern hat ausbauen lassen. Wie viele Menschen sich tatsächlich an jenem Apriltag des Jahres 1997 ins Weismainer Stadion zwängen, weiß niemand so genau. Offizielle Quellen sprechen von 15.000 Zuschauern, wahrscheinlich aber sind es sogar noch mehr. Proppenvoll ist die Arena am Spieltag, und weit mehr als die Hälfte der Schlachtenbummler – geschätzte 10.000 – gehört dem Lager der Nürnberger an, die sich somit – nicht zum einzigen Mal in dieser Saison – auf ein Heimspiel in der Fremde freuen dürfen. Bereits vor 12 Uhr am Mittag treffen die ersten Fans im Stadion ein und füllen nach und nach die Stehränge der imposanten Naturtribüne.
Ungefährdeter Erfolg des Club
Die äußeren Voraussetzungen für ein stimmungsvolles Derby sind also gegeben. Sportlich indes scheint der Ausgang der Partie bereits im Vorfeld klar. Der Club liegt klar auf Aufstiegskurs, während Neuling Weismain seit Wochen schon etwas schwächelt. Und so erleben denn auch die Zuschauer ein über weite Strecken einseitiges Spiel. Lediglich in der ersten Viertelstunde hält der SC Weismain noch mit, danach aber nimmt zunehmend der von Willi Entenmann trainierte Club das Heft in die Hand. Bis zur 22. Minute vermag die vom Ex-Nürnberger Reiner Wirsching organisierte Abwehr der Gastgeber dem Druck der Nürnberger standzuhalten, dann aber geschieht das Unvermeidliche. Carsten Keuler, der an diesem Tag überragende Defensivstratege in den Reihen des neunfachen Deutschen Meisters, überwindet Torwart Marius Todericiu zum ersten Mal. Unmittelbar nach dem Seitenwechsel erhöht Jürgen Falter auf 2:0 für die Gäste, zugleich auch der Endstand. Tapfer und mit Erfolg wehren sich die Schützlinge von Trainer Paul Hupp gegen eine höhere Niederlage, sein Kollege Willi Entemann wird nach dem Spiel anerkennend bemerken, dass Weismain dem Club viel abverlangt habe. Freundliche Worte findet auch Nürnbergs Präsident Michael A. Roth, der den Weismainern nicht nur den Klassenerhalt prophezeit, sondern sogar daran glaubt, dass der Verein „schon in wenigen Jahren nach oben schielen können“ wird.
Die Wege trennten sich bald
Letzteres war, wie sich zeigen sollte, ein Irrtum. Denn das Gastspiel des 1. FC Nürnberg sollte für Weismain in der Tat ein einmaliges Ereignis bleiben. Nach nur einem gemeinsamen Jahr in der Regionalliga trennten sich die Wege der ungleichen Vereine wieder. Nürnberg stieg, wie erwartet, postwendend wieder in die 2. Bundesliga auf, während Weismain seine Premierensaison in der Regionalliga auf einem respektablen zehnten Rang abschloss. Zwei weitere Jahre sollten noch in der Regionalliga folgen, dann freilich ging es mit den Jurastädtern steil bergab. 1999 stieg Weismain wieder in die Bayernliga ab, wurde binnen weniger Jahre bis in die Bezirksoberliga durchgereicht und musste schließlich im Jahr 2004 Insolvenz anmelden. Als SCW Obermain wagte der Verein einen völligen Neuanfang in der A-Klasse, während gleichzeitig der Club zu seinem größten Höhenflug seit Jahrzehnten ansetzte, der bekanntlich 2007 im Gewinn des DFB-Pokals gipfeln sollte. Der FCN und der SCW – nur elf Jahre nach dem Jahrhundertspiel sind sie Lichtjahre voneinander entfernt.